Machu Picchu

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Viele Wege führen nach Machu Picchu – aber sie alle haben eins gemeinsam: es geht unweigerlich hinauf. Von Cuzco aus fährt die Bahn die etwa 75km lange Strecke in das kleine Dörfchen Aguas Calientes – von dem man einen Bus nehmen kann, der einen bis hoch zur Zitadelle hinauf fährt. Das ist der schnelle Weg. Eine größere Vorfreude bringt aber sicherlich der berühmte Inka-Trail mit sich – eine tagelange Wanderung auf den Spuren der Inka-Könige, die einen vorbei an Ruinen und kleinen Dörfchen, durch Wälder und Täler führt, bis man am Ende der Reise stolz das Inti Punku, das Sonnentor durchquert und sich die mächtige Inka-Stadt Machu Picchu in einem überwältigenden Panorama bei aufgehender Sonne vor einem ausbreitet. Um diesen einzigartigen Moment zu erleben, sollten sich auch Besucher, die sich gegen den Inka-Trail, aber sehr wohl für einen Aufstiegt zu Fuß entschieden haben, sehr früh aufstehen und sich von Aguas Calientes aus die Serpentinenstrecke vornehmen. Eine Tasse Coca-Tee kann vor dem Aufstieg nicht schaden – die Pflanze verbessert die Sauerstoffaufnahme und hilft so gegen die Höhenkrankheit Soroche, die vielen Wanderungen durch Kopfschmerzen und Übelkeit zu schaffen macht.

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Die Stadt Machu Picchu wurde um 1440 von dem Inka Pachacútec Yupanqui errichtet. Über ihre Bedeutung ist jedoch nichts überliefert. Einzig und allein die archäologischen Funde lassen auf verschiedene Theorien schließen, die meistens zu dem Entschluss kamen, dass die Stadt zur Zeit der spanischen Eroberung verlassen wurde und dann in Vergessenheit geriet. Theorien nach denen die Stadt zur Zeit der Conquista noch nicht fertig gestellt worden sei, lassen sich schwer bestätigen, da die Stadt über ein bis heute voll funktionstüchtiges Bewässerungssystem und eine Regenwasser-Ablaufstrukturverfügt – nur zwei von vielen Techniken, die von einer gut ausgebauten Stadt zeugen.
Francisco Pizarro übersah die Stadt in den Bergen, von deren Existenz bis weit in das 19 Jahrhundert hinein nur einzelne Wissenschaftler und Indigene Bewohner des Urubambatal oder in Cuzco wussten. Erst 1911 wurde die mittlerweile vom Dickicht des Urwaldes bedeckte Anlage offiziell von dem amerikanischen Forscher Hiram Binghams wiederentdeckt und wird heute täglich von durchschnittlich 2000 Besuchern besichtigt. Der Komplex auf dem Berg Machu Picchu umfasst 216 Gebäude, die um einen großen Platz angeordnet und durch ca. 100 Treppen miteinander verbunden sind. Dies ist der städtische Bereich, der vom landwirtschaftlichen, aus Terrassen bestehenden, Teil getrennt ist. Um den, wahrscheinlich für religiöse Rituale genutzten Platz, zwischen den Gebäuden, befinden sich eine große Anzahl religiöser Stätten, wie das Haus der Priester, der Haupttempel, der einen steinernen Altar beinhaltet, den Sonnentempel oder das zeremonielle Zentrum, das wohl zum größten Teil dem Wasserkult der Inka gewidmet war.
Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Inka-Stadt ist der Palast der Prinzessin, der von besonders präziser Bauarbeit zeugt, da hier, wie bei vielen inkaischen Bauten zu beobachten, auch jeder Stein haargenau in den anderen passt. Der Palast trägt diesen Namen, da er nach verschiedenen Forscher-Meinungen wohl für eine Inkaprinzessin oder Priesterin erbaut wurde. Direkt unter dem Turm des Sonnentempels höhlten die Inka den Felsen aus, um hier ein Mausoleum für wichtige Persönlichkeiten zu errichten – daher der Name „Königliches Grab“.
Entgehen lassen sollte man sich auch nicht den Ausblick vom Nachbarberg , dem „kleinen Gipfel“ Huayna Picchu, der in etwa 45 Minuten erklommen ist und von dem man Machu Picchu noch einmal aus einem anderen Blickwinkel betrachten kann.1983 wurde Machu Picchu und das umliegende Gebiet von der UNESCO zum Weltkulturerbe der Menschheit ernannt.