Die Inka

Ursprung und Fall des Inkareiches

 
Der Ursprung der Inka ist sagenumwoben. Eine von vielen Legenden schrieb der spanisch-peruanische Chronist und Schriftsteller Garcilaso de la Vega nieder, nach der die Kinder des Sonnengottes Inti, Manco Cápac und seine Schwester Mama Occlo aus dem Titicaca-See emporstiegen, um eine bessere Welt zu schaffen. Sie trugen einen goldenen Stab bei sich, der an einem Ort versank und an dem sie die Stadt Cusco, die Hauptstadt des Inka-Reiches schufen.
File 689Der Begriff Inka benannte zunächst allein das Herrschergeschlecht, also die Könige des Stammes. Später wurde er als Bezeichnung für das gesamte Volk gebraucht. Dieses breitete sich unter dem 11. Inka Huayna Capac bis nach Kolumbien im Norden und weit bis nach Zentralchile im Süden aus. Mit der Aufteilung des Reiches unter seinen Söhnen Huascar und Atahualpa war das Reich jedoch seinem Untergang geweiht. Zwischen den beiden Herrschern entbrannte ein Bruderkrieg, der es dem spanischen Eroberer Franzisco Pizarro leicht machte, das Land zu erobern. Atahualpa ließ seinen Bruder Huascar ermorden. Damit hatte Pizarro nicht nur sämtliche verfeindete Stämme der Inka hinter sich, sondern auch die Anhänger des ermordeten Inka-Königs Huascar. Atahualpa wurde 1532 in Cajamarca gefangen genommen und trotz der Zahlung einer großen Menge an Gold ermordet. Somit endete die Ära der Inka-Könige und das Reich fiel unter spanische Herrschaft. Pizarro krönte den schwachen letzten Inka-König Manco Capac II unter dessen Sohn, Tupac Amaru, die Inka einen letzten Befreiungsversuch unternahmen. Dieser wurde mit der Ermordung Tupac Amarus 1571 beendet, was die Zerstörung vieler Inka-Städte und die Konvertierung sämtlicher indigener Völker zum Christentum einleitete.
 
Religion und Organisation
 
Die Inka zeichneten sich durch ihre fortschrittlichen mathematischen und architektonischen Kenntnisse aus. Obwohl sie keine Schrift kannten, wussten sie ihr ausgedehntes Reich zu organisieren. Die Provinzen des Staates Tahuantinsuyo, dem „Land der vier Teile“ wurden von Stellvertretern des Königs und zentral vom Inka selbst verwaltet. Die Bevölkerung wurde in Zehnergruppen eingeteilt, deren kleinste Einheit eine Gruppe von zehn Familien darstellte. Diese organisierten sich ihrerseits jeweils in zehn Verbände, bis Einheiten von bis zu 10.000 Familien zustande kamen. Diese Zahlen wurden neben Steuern oder Ernteerträgen in einem Knotensystem, den sogenannten Quipu, festgehalten. Diese konnten jedoch nur die gelehrten Quipucamayuc lesen, die als hohe Beamte für die Verwaltung des Inka-Reiches zuständig waren.
File 683Die Quipu funktionierten wie die moderne Post, indem sie von Läufern, den Chasquis, auf eigens dafür angefertigten Pfaden von einer Stadt zur nächsten getragen wurden. Das Wegesystem der Inka war insgesamt viele tausend Kilometer lang und überwindete schwieriges Terrain, wie Felswände, breite Flüsse und Wüstengebieten, in denen rechts und links Steine den Weg markierten. Die Hauptwege führten über die Anden und an der Küste entlang und verbanden die Städte und Verwaltungszentren miteinander. Kulturelles und militärisches Zentrum blieb die Hauptstadt Cusco, deren gewaltige Architektur nicht nur als Beispiel für andere Städte diente, sondern auch Besucher und potentielle Gegner beeindrucken und einschüchtern sollte. Eine der erstaunlichsten architektonischen Leistungen der Inka sind wohl ihre Bauten aus tonnenschweren Granitblöcken, deren Ecken und Kanten millimetergenau ineinander passten. Mit dieser Architektur wurden Mauern, Silos und Tempel errichtet, von denen der wichtigste und heiligste der Sonnentempel Coricancha in Cusco war.
Der Hauptgott der Inka war seit jeher der Sonnengott Inti, als dessen Söhne sie sich verstanden. Das polytheistische Volk betete auch seine Schwester, die Mondgöttin Mama-Quilla an und betrachtete die Sterne als Schutzheilige. Auch Tiere, Steine, Felsen und besondere Orte, die sogenannten Huacas waren ihnen heilig und mussten mit Opfern wohl gestimmt werden. Dafür gebrauchte man oft Gefangene, die bei kriegerischen Auseinandersetzungen mit anderen Völkern versklavt worden. Die Inka selber verehrten ihre Ahnen. Sie wurden mumifiziert und mit reichlichen Grabbeigaben beerdigt.