Colca Canyon

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Knapp 100 Kilometer von der Stadt Arequipa entfernt liegt das kleine Dörfchen Chivay. Von hier aus führt einer steiler Weg hinab in einen der tiefsten Canyons der Welt, den Colca Canyon. Vom Rand der Schlucht aus misst man über 3.000 Meter. Damit ist er tiefer als der Grand Canyon im US-Bundesstaat Arizona mit 1800 Metern.


Beim Abstieg begleitet den Wanderer ein Panoramablick auf ein Tal, das in präinkaischer Zeit von zwei verfeindeten Ethnien bewohnt wurde, von den Aymara sprechenden Collagua, die an den Bergflanken des Colca siedelten und den Quechua sprechenden Cabanas, die die Talzonen bewohnten. Beide flachten ihre Schädel künstlich ab, um sich voneinander hervorzuheben. Heute leben von ihnen nur noch wenige Nachfahren, was sowohl auf die Herrschaft der Inka im 16. Jahrhundert und die der Spanier ab 1540 zurückzuführen ist. Zeugnisse ihrer Zeit sind die von Menschenhand geschaffenen Terrassen, auf denen eine Vielzahl an Früchten und Gemüse angebaut werden können.
 

File 650Ganz unten im Tal glänzt der Río Colca, wenn die Sonne in den 100 Millionen Jahren jungen Canyon hinab scheint. Er schlängelt sich vorbei an kleinen Dörfchen, in denen die Missionskirchen der Franziskaner aus dem 16. und 17. Jahrhundert bewundert werden können. Umso tiefer man in den Canyon hinabsteigt, desto vielfältiger wird die Fauna. Zunächst sind die Hänge nur von Kakteen überseht, doch bald gesellen sich dazu Palmen, Farne und sogar Orchideen. Ganz unten im Tal angekommen, wartet eine kleine Oase auf den Besucher, in der auch übernachtet und in einem kleinen angelegten Pool mit Wasserfall gebadet werden kann. Die Verschnaufpause ist äußerst ratsam, da den Wanderer am nächsten Morgen oft ein steiler Aufstieg von drei bis vier Stunden zum Dörfchen Cabanaconde erwartet.
 

Früh aufstehen sei auch jenem geraten, der mit dem Bus von Chivay aus nach Cabanaconde fährt. Nur dann hat man am Aussichtspunkt „Cruz del Cóndor“ die Gelegenheit den majestätisch-gleitenden Flug der Kondore vor der Schlucht des Canyons beobachten zu können. Die riesigen Vögel erreichen eine Spannweite von 3 m und ein Gewicht von bis zu 14 kg.